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KI in der Praxis Dr. Gerhard Reisinger

Werbung & Content Auswerten & Messen Pilot

Nur 1 von 111 Anzeigen im Umkreis nennt dieses Argument

Womit sich ein Arbeitgeber abhebt, wurde bisher geschätzt. Jetzt wird gezählt: was der Betrieb hat, was Bewerber wollen — und was im Umkreis fast niemand sagt.

  • Zahlen vom05.09.2026
  • Lesezeit5 Min.

Der Fall auf einen Blick

1

Das Problem

Womit sich ein Betrieb bei Bewerbern abhebt, wurde nach Gefühl entschieden. Was in fremden Anzeigen fehlt, fällt beim Lesen nicht auf.

2

Was der Fall macht

Zählt aus, was die Anzeigen im Umkreis versprechen, und zeigt, welchen Vorteil eines Betriebs sonst fast niemand nennt.

3

Was er bewirkt

Beim ersten Betrieb nannte 1 von 111 Fachanzeigen sein stärkstes Argument — ob die neuen Anzeigen besser laufen, ist noch nicht gemessen.

1von 111 Fachanzeigen im Umkreis nannten das stärkste Argument des ersten Betriebs
Vorher Positionierung nach Eindruck
Heute Positionierung nach Auszählung
Vergleich geschätzt

So funktioniert es

2 von 4 Arbeitsschritten erledigt ein Sprachmodell. Den Rest machen ein normales Programm und ein Mensch.

  1. 1 Daten Unterlagen des Betriebs Kundenunterlagen und Website zeigen, was der Betrieb seinen Mitarbeitern bietet.
  2. 2 Sprachmodell Belege herausziehen Das Sprachmodell übernimmt nur Angaben mit Beleg und recherchiert, was die Berufsgruppe an einem Arbeitgeber schätzt.
  3. 3 Programm Umkreis auszählen Ein Programm sammelt Recruiting- und Stellenanzeigen, misst jede Entfernung und zählt die Merkmale.
  4. 4 Sprachmodell Gewichten und schreiben Das Sprachmodell stuft die Argumente nach Beleg und gezählter Marktlage ein und schreibt die Anzeigentexte.
  5. 5 Mensch Prüfen und schalten Ein Mensch prüft das Briefing und schaltet die Anzeigen von Hand.
  • Datenquelle
  • normales Programm
  • Sprachmodell (KI)
  • Mensch

Die Zahlen dahinter

65–91% der klassischen Stellenanzeigen nennen kein Gehalt (fünf Regionen)
4von 5 Regionen, in denen keine Anzeige „Chef packt mit an“ sagt
1,1s Ortsauflösung aus eigenem Bestand — vorher 16 Namen in 10 Minuten

Was das für Ihren Betrieb heißt

Was Ihren Betrieb als Arbeitgeber auszeichnet, ist oft genau das, was Ihre Nachbarn nicht schreiben — nur sieht man eine Lücke nicht, man muss sie zählen.

Das Muster passt überall, wo mehrere Anbieter in einer Region um dieselben Leute werben — Bewerber wie Kunden. Voraussetzung: Menge. Zehn gelesene Anzeigen zeigen, was da steht; erst hunderte gezählte zeigen, was fehlt.

Erster Schritt: Für die eigene Region nur drei Merkmale zählen — Gehalt, Arbeitszeit, Ihr stärkster Vorteil. Fallstrick: Ein Ortsname ist kein Ort. Jeder Treffer muss nachgeschlagen und die Entfernung gemessen werden.

Die Ausgangslage

Womit sich ein Betrieb abhebt, wurde aus seinen Unterlagen und dem Eindruck einiger Konkurrenzanzeigen beantwortet.

Ein Vorteil ist aber nur dann ein Argument, wenn ihn im Umkreis sonst keiner nennt. Und dass etwas fehlt, fällt beim Lesen nicht auf.

Die Lösung im Einzelnen

Die Frage wird zur Rechnung: was der Betrieb belegt hat × was die Berufsgruppe wirklich will × was im Umkreis fast niemand sagt.

Das Auszählen macht ein Programm mit festen Suchmustern, nicht das Sprachmodell. Das Modell zieht vorher die Belege aus den Unterlagen und gewichtet danach die Argumente. Jedes Argument braucht einen Beleg, sonst wird es zur offenen Frage an den Kunden. Geschaltet wird von Hand.

Probelauf über fünf Betriebe (Anfang September 2026). Beim ersten Betrieb standen 858 Konkurrenzanzeigen im 30-km-Umkreis, 111 davon im selben Fach. Ob die so geschriebenen Anzeigen besser laufen, ist noch nicht gemessen — deshalb Pilot.

Wer sagt was im UmkreisBeispielansicht · Daten erfunden
Beispielbetrieb Dachtechnik Muster · 30 km · 84 Fachanzeigen
Merkmalgenannt vonhat der BetriebEinordnung
Vier-Tage-Woche2 von 84ja, laut ArbeitsvertragÜberschrift
Gehalt mit Betrag7 von 84ja, 3.400 €selten — nach vorn
Firmenwagen31 von 84jaPflichtangabe, nie Überschrift
Chef packt mit an0 von 84unklarbeim Kunden erfragen
Familiäres Team46 von 84jaabgenutzt — weglassen

Die letzte Zeile ist der Grund für die Zählung: Was der Kunde selbst als Stärke nennt, sagt im Umkreis mehr als die Hälfte. Die dritte zeigt die Regel: ein freies Feld ohne Beleg wird zur Frage, nicht zum Versprechen.

Was wir dabei gelernt haben

  1. Ein Ortsname ist kein Ort. Ein gleichnamiges Dorf im Nachbarland machte jede Anzeige aus einer deutschen Großstadt zum Nachbarn in 21 km. Jeder Treffer muss nachgeschlagen und die Entfernung gemessen werden.
  2. Gesperrte Abfragen wurden als „Ort nicht auffindbar“ dauerhaft gespeichert. Der öffentliche Kartendienst schaffte 16 Namen in zehn Minuten; 16 Fehlspeicherungen ließen Konkurrenten still verschwinden. Der eigene Bestand mit 381.771 Orten löst in 1,1 s auf.
  3. „Aktiv“ hieß nicht „läuft“. Ohne Prüfung, wann eine Anzeige zuletzt gesehen wurde, lag die mittlere Laufzeit bei 257 statt 15 Tagen.
  4. Was wie Sprache aussieht, ist nicht immer Sprache. Eine Reparatur für fehlende Umlaute schrieb auch Dateipfade um. Die Berichte kamen ohne Konkurrenzmotive heraus — ohne Fehlermeldung, nur die um 600 KB kleinere PDF verriet es.
  5. Die eigene Begründung ist nicht das Argument des Bewerbers. Der erste Textsatz führte in allen Varianten dieselbe Marktzahl an. Jetzt höchstens zwei von zehn.
  6. Mehr parallele Modellaufrufe machen es nicht schneller. Ab etwa drei gleichzeitigen Aufrufen wartet jeder nur länger.

Eine Lücke besteht daraus, dass etwas fehlt, und Fehlendes fällt beim Lesen nicht auf. Nur die Auszählung macht es sichtbar.

Aus der Beschreibung der Auswertungsstufe
Probelauf über fünf Betriebe Tabelle
Betrieb Werbetreibende im 30-km-Umkreis Konkurrenzanzeigen Stellenanzeigen davon ohne Gehalt
Betrieb 1 409 858 38 34
Betrieb 2 259 549 98 89
Betrieb 3 211 387 486 390
Betrieb 4 447 973 129 114
Betrieb 5 180 376 65 42

Quelle: Probelauf, alle Zahlen ausgezählt, Stand 05.09.2026

Der Ablauf als Diagramm Schaubild
Ablaufdiagramm: Nur 1 von 111 Anzeigen im Umkreis nennt dieses Argument
Von der Quelle bis zum Ergebnis. Dunkel = das Sprachmodell, weiß = ein normales Programm, grün = ein Mensch.

Haben Sie so einen Fall im Betrieb?

Schreiben Sie mir in zwei Sätzen, welche Aufgabe bei Ihnen am meisten Zeit frisst. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung — samt Aufwand und samt der Antwort „lohnt sich nicht“, wenn es so ist.

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