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KI in der Praxis Dr. Gerhard Reisinger

Kundengewinnung Lesen & Verstehen Einmalprojekt, abgeschlossen

231 fremde Werbemails ausgewertet — und daraus gelernt

Drei Jahre lang landeten Kaltakquise-Mails im eigenen Postfach. Selbst nach Qualität sortiert zeigen sie, was gelesen wird und was gelöscht wird.

  • Aufbau1 Tag
  • Zahlen vom31.07.2026
  • Lesezeit6 Min.

Der Fall auf einen Blick

1

Das Problem

Jeder schreibt Akquisemails nach Gefühl — belastbare Belege, was funktioniert, hat niemand, weil man die eigenen Absagen nie erfährt.

2

Was der Fall macht

Wertet 231 Werbemails aus dem eigenen Postfach aus, die vorher von Hand nach Qualität sortiert wurden.

3

Was er bewirkt

Eine klare Regel: Mails über den Empfänger gewinnen, Mails über den Absender verlieren — dazu 4 fertige Nachfass-Serien.

231 selbst bewertete Werbemails ausgewertet
Vorher Texte nach Gefühl, ohne Rückmeldung
Heute Muster aus 231 bewerteten Beispielen
Vergleich geschätzt

So funktioniert es

1 von 2 Arbeitsschritten erledigt ein Sprachmodell. Den Rest macht ein Mensch.

  1. 1 Daten Werbemails im Postfach Drei Jahre eingegangene Werbemails, 231 eindeutige nach Entfernung der Dubletten.
  2. 2 Mensch Selbst bewerten Ein Mensch sortiert jede Mail in Ordner nach Qualität — das macht den Bestand wertvoll.
  3. 3 Sprachmodell Muster suchen Die KI sucht, was die gut bewerteten von den schlecht bewerteten Mails trennt, und löst ganze Nachfass-Serien heraus.
  • Datenquelle
  • Sprachmodell (KI)
  • Mensch

Die Zahlen dahinter

4 vollständige Nachfass-Serien als Vorlage gewonnen
19 Mails nutzen denselben besten Aufhänger — mehr als jeden anderen

Was das für Ihren Betrieb heißt

Sie haben denselben Datensatz im Postfach: Jede Werbemail, die Sie je bekommen und beantwortet oder gelöscht haben, ist ein bewertetes Beispiel.

Dieser Datensatz liegt bei Ihnen bereits vollständig vor — Sie müssen ihn nur einmal bewerten. Zwei Ordner genügen: „hat mich erreicht“ und „sofort gelöscht“. Ab etwa fünfzig einsortierten Mails wird das Muster sichtbar.

Der Aufwand liegt vollständig im Sortieren, nicht in der Auswertung. Und er lohnt sich doppelt: Man lernt gleichzeitig, was man selbst gerade falsch macht.

Die Ausgangslage

Wer Kaltakquise per E-Mail macht, schreibt im Blindflug. Man sieht die Öffnungsrate, vielleicht die Antwortquote — aber man erfährt nie, warum jemand nicht geantwortet hat.

Der bessere Datensatz liegt im eigenen Posteingang: die Mails, die andere einem selbst geschickt haben. Bei diesen kennt man die Bewertung. Drei Jahre lang wurden sie aufgehoben und in Ordner nach Qualität sortiert, von „Top“ bis „eher nein“ — 231 eindeutige Mails, jede mit einem ehrlichen Urteil versehen.

Die Lösung im Einzelnen

Die KI wertet den sortierten Bestand aus: Was haben die guten gemeinsam, was die schlechten? Das Ergebnis ist eindeutig genug für eine Regel: Mails, die vom Empfänger handeln, gewinnen. Mails, die vom Absender handeln, verlieren — ausnahmslos.

Der mit Abstand häufigste und bestbewertete Aufhänger ist ein konkretes Ereignis beim Empfänger — bei uns eine offene Stellenanzeige. Neunzehn Mails im Bestand nutzen ihn, mehr als jeden anderen. Durchgehend aussortiert wurden: Lob ohne Beleg, der Lebenslauf des Absenders, Kundenlogos, Auszeichnungen, Prozent-Rechenspiele und Raketen-Symbole in der Betreffzeile.

Nebenbei fielen vier vollständige mehrstufige Nachfass-Serien ab: Drei Absender hatten so beharrlich geschrieben, dass ihre komplette Strecke im Postfach lag und sich als Muster übernehmen ließ.

Zwei Mails, zwei Urteile — und die BegründungBeispielansicht · Daten erfunden
231 Mails, selbst einsortiert · Auswertung der Unterschiede
  • Ordner „Top" · gelesen und beantwortetBetreff: Servicekraft in Kremsmünster„Guten Tag Herr M., ich habe gesehen, dass Sie seit Anfang Mai eine Servicekraft suchen. Konnten Sie die Stelle schon besetzen? Falls nicht: Wir haben für ein Haus in ähnlicher Lage in drei Wochen zwei Leute gefunden. Antworten Sie einfach mit 1 (interessiert), 2 (später) oder 3 (nie). PS: Unser Einstieg kostet 490 €."Warum oben: konkretes Ereignis beim Empfänger · ein Beleg statt Selbstlob · Antworthürde auf einen Tastendruck gesenkt · Preis offen genannt.
  • Ordner „Eher nein" · nach zwei Sekunden gelöschtBetreff: 🚀 Ihre Personalprobleme sind Geschichte!„Wir sind eine der führenden Agenturen im DACH-Raum mit über 500 zufriedenen Kunden und einer Erfolgsquote von 95 %. Unser mehrfach ausgezeichnetes Team betreut Sie ganzheitlich und individuell. Gerne stelle ich Ihnen unser Konzept in einem unverbindlichen 30-Minuten-Termin vor."Warum unten: handelt ausschließlich vom Absender · Auszeichnungen und Prozentzahlen ohne Beleg · Symbol im Betreff · verlangt 30 Minuten, bevor irgendetwas geklärt ist.

Die Trennlinie über alle 231 Mails ist immer dieselbe: Wer über den Empfänger schreibt, wird gelesen. Wer über sich schreibt, wird gelöscht.

Was wir dabei gelernt haben

  1. Der Aufhänger schlägt das Argument. Ein konkretes Ereignis beim Empfänger wirkt stärker als jede Leistungsbeschreibung.
  2. Wer über sich schreibt, verliert. Kundenlogos, Auszeichnungen und Erfolgsquoten in der Erstmail wurden ausnahmslos schlecht bewertet.
  3. Die Antworthürde senken schlägt Überzeugungsarbeit. „Antworten Sie mit 1, 2 oder 3“ erzeugt Reaktionen — auch Absagen, und die sind wertvoll, weil sie Klarheit schaffen.
  4. Eine gute Abschiedsmail ist Pflicht. Die beste Abschiedsmail des Bestands nennt drei mögliche Gründe für das Schweigen und nimmt das Thema von der Agenda — sie lädt zum Widerspruch ein, ohne zu drängen.
  5. Bewerten ist Handarbeit, und das ist in Ordnung. Die KI kann Muster finden, aber nicht wissen, welche Mail Sie überzeugt hat. Genau dieses Urteil macht den Datensatz wertvoll.

Der beste Nachfasser des ganzen Bestands ist eine einzige Frage: „Konnten Sie die Stelle schon besetzen?“ — kein Argument, kein Angebot, nur echtes Interesse an dem, was den Empfänger gerade beschäftigt.

Aus der Auswertung
Was oben landete — und was gelöscht wurde Tabelle
Wirkt Wirkt nicht
Ein konkretes Ereignis beim Empfänger als Aufhänger Der Lebenslauf des Absenders
Zwei Sätze, ein Kundenname, Preis im Nachsatz Kundenlogos und Auszeichnungen
Ein recherchiertes Ergebnis des Empfängers Lob ohne Beleg
Antwort per Ziffer oder Codewort Prozent-Rechenspiele („95 % + 5 % = 100 %“)
Ehrlichkeit über die eigene Hartnäckigkeit Symbole in der Betreffzeile
Abschiedsmail mit drei Annahmen zum Schweigen Keyword-Tabellen in der Erstmail

Quelle: 231 Mails aus 10/2023 bis 07/2026, selbst nach Qualität sortiert

Der Ablauf als Diagramm Schaubild
Ablaufdiagramm: 231 fremde Werbemails ausgewertet — und daraus gelernt
Von der Quelle bis zum Ergebnis. Dunkel = das Sprachmodell, weiß = ein normales Programm, grün = ein Mensch.

Haben Sie so einen Fall im Betrieb?

Schreiben Sie mir in zwei Sätzen, welche Aufgabe bei Ihnen am meisten Zeit frisst. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung — samt Aufwand und samt der Antwort „lohnt sich nicht“, wenn es so ist.

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