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KI in der Praxis Dr. Gerhard Reisinger

Daten & Wissen Auswerten & Messen Läuft im Alltag

19.199 Bewerbungen, und in keiner Zeile stand ein Ergebnis

Die Spalte für die Einstellung existiert seit drei Jahren samt Zeitstempel. Sie wurde nie beschrieben. Das ist die größte Datenlücke — und das stärkste Verkaufsargument, das fehlt.

  • Aufbau1 Tag Auswertung; die Behebung läuft
  • Zahlen vom20.08.2026
  • Lesezeit6 Min.

Der Fall auf einen Blick

1

Das Problem

Ein Bewerbersystem läuft seit drei Jahren, und niemand kann beziffern, wie viele Einstellungen daraus entstanden sind.

2

Was der Fall macht

Zählt über alle Bewerbungen aus drei Jahren, was in den Feldern der Datenbank wirklich drinsteht.

3

Was er bewirkt

In 19.199 Zeilen stand die Einstellung 0 Mal; die 495 seither nachgetragenen Werte sind fast alle geschätzt.

0von 19.199 Bewerbungen mit erfasster Einstellung — Stand 20.08.2026, nach drei Jahren Betrieb
Vorher kein Erfolgsnachweis
Heute Lücke beziffert, Weg benannt
Vergleich geschätzt

So funktioniert es

In diesem Ablauf arbeitet kein Sprachmodell mit. Die KI hat beim Bauen geholfen — im Betrieb läuft ein normales Programm.

  1. 1 Daten Bewerbungen aus drei Jahren 19.199 Bewerbungen mit allen Statusfeldern aus dem Bewerbersystem.
  2. 2 Programm Füllgrad zählen Ein Programm zählt Stufe für Stufe, was wirklich in den Feldern steht — nicht, welche Felder es gibt.
  3. 3 Programm Zweites Feld suchen Wo ein Feld leer ist, sucht das Programm nach einem zweiten Feld für denselben Sachverhalt.
  4. 4 Programm Einstellungen zurückrechnen Ein Programm rechnet Einstellungen aus den Statusfeldern zurück — mit Herkunft, Sicherheit und Rückweg je Zeile.
  • Datenquelle
  • normales Programm

Die Zahlen dahinter

495 Einstellungen seit 08.09.2026 nachgetragen — fast alle geschätzt, mit Herkunft und Rückweg
347 Gesprächsvermerke im gepflegten Zweitfeld, während das erste leer blieb
115 verschiedene Schreibweisen für dieselbe Angabe zur Berufserfahrung
808 Freitext-Ablehngründe — Kunden antworten, wenn man sie fragt

Was das für Ihren Betrieb heißt

Prüfen Sie in Ihrem wichtigsten System nicht, ob es eine Spalte für Ihr wichtigstes Ergebnis gibt — sondern ob dort etwas drinsteht.

Dieser Fall handelt nicht von KI, sondern davon, was eine Auswertung mit KI voraussetzt. Die Regel dahinter ist ein Satz: Eine Spalte, die es gibt, ist keine Spalte, die Daten hat. Prüfen Sie in Ihrem wichtigsten System einmal den Füllgrad der Felder, die Ihr wichtigstes Ergebnis tragen. Die Abfrage kostet Minuten.

Erst das Ergebnis erfassen, dann optimieren. Wer ohne diese Zahl an Stellschrauben dreht, optimiert auf Zwischengrößen. Und rechnen Sie mit doppelten Feldern: Wo zwei Felder für dieselbe Sache existieren, wird eines gepflegt und eines nicht — und welches, weiß niemand, bis jemand nachzählt.

Die Ausgangslage

Ein Bewerbersystem sammelt seit drei Jahren Bewerbungen ein, leitet sie an Kunden weiter, protokolliert Anrufe und Rückmeldungen. Es sieht vollständig aus, und es wird täglich benutzt.

Dann kam die Frage auf, wie viele Einstellungen daraus tatsächlich entstanden sind. Die naheliegende Antwort lag in der Datenbank — es gibt eine Spalte dafür, sogar mit Zeitstempel.

Die Lösung im Einzelnen

Eine Vollauszählung über alle 19.199 Zeilen und alle Statusfelder, Stufe für Stufe. Zunächst sinkt die Kurve, wie man es erwartet: 19.199 Bewerbungen, 7.574 weitergeleitet, 2.597 angerufen, 1.206 erreicht, 347 mit Gesprächsvermerk. Dann die letzte Zeile: eingestellt — 0. In jeder einzelnen Zeile.

Die Spalte ist nicht kaputt und nicht nachträglich hinzugefügt. Sie existiert samt Zeitstempelspalte seit dem ersten Tag, sie wird nur nie beschrieben. Beim Gesprächsvermerk zeigte sich das Muster dahinter: Zwei Felder für einen Sachverhalt, eines davon tot — und das gepflegte war das, das im Bericht nicht abgefragt wurde.

Was fehlt, ist nicht eine Zahl. Es fehlen alle Kennzahlen, die auf ihr aufbauen: Kosten je Einstellung, Dauer bis zur Besetzung, Branchenvergleich — und jedes Signal darüber, welche Kampagne tatsächlich funktioniert hat. Im September wurden 495 Einstellungen nachgetragen: rückgerechnet aus den Statusfeldern, fast alle geschätzt.

Was das Schema verspricht — und was drinstehtBeispielansicht · Daten erfunden
Spaltenprüfung
Das Schema

hired vorhanden
time_hired vorhanden
jobinterview vorhanden
time_jobinterview vorhanden

status_jobinterview vorhanden

Alles da, seit dem ersten Tag.

Der Füllgrad

hired 0 von 19.199
time_hired 0
jobinterview 0
time_jobinterview 0

status_jobinterview 347

Zwei Felder fuer eine Sache,
eines tot - und das leere
wurde abgefragt.

Beide Ansichten stammen aus derselben Datenbank am selben Tag. Eine Prüfung des Schemas hätte alles in Ordnung gemeldet — deshalb prüft man den Füllgrad, nicht das Schema.

Was wir dabei gelernt haben

  1. Eine Schätzung in der Spalte des Belegten ist danach nicht mehr davon zu trennen. Im September wurden 495 Einstellungen nachgetragen: rückgerechnet aus den Statusfeldern, belegt durch Kundenkommentare nur eine einstellige Zahl. Deshalb liegen Herkunft und Sicherheit je Zeile in einer eigenen Tabelle, ein einziger Befehl dreht alles zurück, und abrechenbar bleiben nur die belegten Fälle.
  2. Der Rückkanal wurde verworfen, bevor er gebaut war. Geplant war ein Klick in der Mail, mit dem Kunden eine Einstellung melden; die Durchsicht der Kundenkommentare zeigte: Kunden melden Einstellungen nicht zurück. Die 495 sind deshalb eine einmalige Rückrechnung, kein laufender Nachweis.
  3. Eine Spalte, die es gibt, ist keine Spalte, die Daten hat. Prüfen Sie bei jeder Auswertung zuerst den Füllgrad, nicht das Schema. Das Schema hätte hier alles in Ordnung gemeldet.
  4. Zwei Felder für dieselbe Sache, eines tot. Das gepflegte Feld war nicht das, das der Bericht abgefragt hat — und es meldete deshalb null, wo 347 standen.
  5. Ohne Erfolgserfassung gibt es keine Optimierung, nur Zwischengrößen. Kosten je Einstellung, Dauer bis zur Besetzung und jeder Kampagnenvergleich hängen an genau dieser einen Zahl.
  6. Wo strukturiert erfasst wird, muss normiert werden. 115 Schreibweisen für dieselbe Angabe sind nicht auswertbar — die Erfassung war da, die Auswertbarkeit nicht.
  7. Die Freitexte trugen mehr als die Formularfelder. Zwei Freitextfelder waren zu 87 und 73 Prozent gefüllt, während mehrere Auswahlfelder praktisch leer blieben. Menschen schreiben lieber, als sie klicken.
  8. Vor jeder Aussage nach außen die Quelle klären. Es ist möglich, dass Einstellungen an anderer Stelle festgehalten wurden. Belegt ist es nicht — und eine Zahl, deren Quelle offen ist, gehört in kein Verkaufsgespräch.

Das System hat nachweislich Leute in Arbeit gebracht. Belegen kann es das nicht.

Aus der Auswertung vom 03.08.2026
Die Kurve — und ihr Abbruch Tabelle
Stufe erfasst Anteil
Bewerbungen 19.199 100 %
an Kunde weitergeleitet 7.574 39,5 %
angerufen 2.597 13,5 %
erreicht 1.206 6,3 %
Gespräch vermerkt (Zweitfeld) 347 1,8 %
vom Kunden abgelehnt 1.659 8,6 %
eingestellt 0 0 %
Gespräch (Hauptfeld) 0 0 %

Quelle: Vollauszählung über alle 19.199 Zeilen, 03.08.2026

Der Ablauf als Diagramm Schaubild
Ablaufdiagramm: 19.199 Bewerbungen, und in keiner Zeile stand ein Ergebnis
Von der Quelle bis zum Ergebnis. Dunkel = das Sprachmodell, weiß = ein normales Programm, grün = ein Mensch.

Haben Sie so einen Fall im Betrieb?

Schreiben Sie mir in zwei Sätzen, welche Aufgabe bei Ihnen am meisten Zeit frisst. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung — samt Aufwand und samt der Antwort „lohnt sich nicht“, wenn es so ist.

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