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KI in der Praxis Dr. Gerhard Reisinger

Daten & Wissen Auswerten & Messen Läuft im Alltag

635.329 Dateien vermessen — gefunden wurde Wissen

Ein Vollindex des Firmenlaufwerks sollte Platz freimachen. Gebracht hat er vor allem Wissensquellen, von denen niemand mehr wusste, dass es sie gibt.

  • Aufbau2 Tage
  • Zahlen vom19.08.2026
  • Lesezeit6 Min.

Der Fall auf einen Blick

1

Das Problem

Auf einem gewachsenen Firmenlaufwerk kann niemand sagen, was darauf liegt, was doppelt ist und was seit Jahren niemand angefasst hat.

2

Was der Fall macht

Erfasst in einem Lauf jede Datei des Firmenlaufwerks und beantwortet danach in Sekunden, was wo liegt und was doppelt ist.

3

Was er bewirkt

635.329 Objekte erfasst, 104 GB doppelte Dateien gefunden — und eine vergessene Ablage mit 1.007 Dateien Verkaufsunterlagen.

104GB byteweise identische Dateien, über die Prüfsumme belegt
Vorher Aufräumen nach Gefühl
Heute Liste nach Größe und Alter
Vergleich geschätzt

So funktioniert es

In diesem Ablauf arbeitet kein Sprachmodell mit. Die KI hat beim Bauen geholfen — im Betrieb läuft ein normales Programm.

  1. 1 Daten Alle geteilten Ablagen Dreizehn geteilte Ablagen des Firmenlaufwerks mit allen Dateien.
  2. 2 Programm Jede Datei erfassen Ein Lauf schreibt Pfad, Größe, Prüfsumme, Alter und Besitzer jeder Datei in eine lokale Datenbank.
  3. 3 Programm Bestand abfragen Abfragen zeigen größte Ordner, doppelte Dateien, Altbestand und Papierkorb in Sekunden.
  4. 4 Programm Zweiter Lauf vergleicht Beim zweiten Lauf zeigt die Differenz, was sich bewegt hat — und wohin.
  5. 5 Mensch Von Hand entscheiden Der Index liefert die Liste; gelöscht wird von Hand und nach Bestätigung.
  • Datenquelle
  • normales Programm
  • Mensch

Die Zahlen dahinter

635.329 erfasste Objekte in dreizehn geteilten Ablagen (19.08.2026)
421,7GB Gesamtbestand, davon 52,5 GB im Papierkorb
70Min. Dauer eines Vollaufs, wiederaufnehmbar

Was das für Ihren Betrieb heißt

Jeder Betrieb mit einem gewachsenen Firmenlaufwerk sitzt auf denselben Zahlen — er hat sie nur nie ausgezählt.

Jeder Betrieb mit einem gewachsenen Netzlaufwerk oder Cloud-Speicher hat dieselbe Lage: Niemand hat den Überblick, und der Speicher wird trotzdem knapp. Der erste Schritt ist billig: einmal alles erfassen, nichts löschen. Schon die Liste verändert das Gespräch.

Was Sie vorher wissen sollten: Manche Dateitypen der Office-Programme in der Cloud haben weder Größe noch Prüfsumme und tauchen in keiner Größen- und keiner Duplikatliste auf. Und rechnen Sie damit, dass der Ertrag woanders liegt als geplant.

Die Ausgangslage

Ein Firmenlaufwerk beantwortet Fragen zu bekannten Pfaden gut. Fragen über den Gesamtbestand beantwortet es gar nicht — weder „was ist unser größter Ordner“ noch „welche Dateien liegen doppelt“.

Der Anlass war banal: Der Speicher wurde knapp, und niemand konnte sagen, wo er hingegangen war. Die übliche Antwort darauf ist Aufräumen nach Gefühl — man löscht, was einem einfällt.

Die Lösung im Einzelnen

Ein Lauf über Nacht erfasst jedes Objekt jeder geteilten Ablage in eine lokale Datenbank. Danach beantwortet eine Abfrage in Sekunden, was vorher unbeantwortbar war. Der Index liest nur — gelöscht wird nichts, entschieden wird von Hand.

Die erste Erkenntnis: Es gibt zwei verschiedene Probleme, die man dauernd verwechselt. Ein Arbeitsbereich stellte 73 Prozent aller Objekte, aber nur 19 Prozent des Platzes; die Kundenordner umgekehrt 9 Prozent der Objekte und 39 Prozent des Platzes. „Voll“ und „langsam“ haben verschiedene Ursachen.

Die zweite Erkenntnis war die wertvollere und war nicht das Ziel. Der Index sollte Bytes finden und fand Wissen: eine komplette geteilte Ablage mit 1.007 Dateien Verkaufsunterlagen und eine Umsatzaufstellung. Die 104 GB doppelten Dateien sind identifiziert, nicht gelöscht.

Fragen an den BestandBeispielansicht · Daten erfunden
frag.py
Frage

Welcher Ordner ist der größte, und wie viel davon ist doppelt?

Antwort

Größter Einzelposten: „Archiv / Duplikate“ mit 28,2 GB in 7.776 Dateien und 925 Ordnern.

Über den gesamten Bestand liegen 104,0 GB byteweise identisch mehrfach — belegt über die Prüfsumme, nicht über den Dateinamen.

Häufigstes Muster: dieselbe Infofolie in mehreren Personenordnern, dieselben Archive in drei Generationen von Projektordnern.

  • Tabelle dateien, 635.329 Zeilen
  • Vorberechnete Ordnersummen
  • Lauf vom 19.08.2026
Frage

Wo liegen unsere Verkaufsunterlagen?

Antwort

In einer eigenen geteilten Ablage mit 1.007 Dateien und 4,3 GB, die in keiner Übersicht verzeichnet war.

Sie wurde beim Suchen nach Speicherfressern gefunden, nicht beim Suchen nach Unterlagen.

  • Ablagenübersicht
  • Volltextsuche über Pfade

Die zweite Frage ist der eigentliche Ertrag. Gebaut wurde der Index, um Bytes zu finden — gebracht hat er vor allem Antworten auf Fragen, die man ohne ihn gar nicht erst gestellt hätte.

Was wir dabei gelernt haben

  1. Objektzahl und Speicherplatz sind zwei verschiedene Probleme. Ein Bereich stellte 73 % der Objekte und 19 % des Platzes, ein anderer 9 % der Objekte und 39 % des Platzes. „Langsam“ und „voll“ haben verschiedene Ursachen und verschiedene Lösungen.
  2. Aufgeräumt ist nicht freigegeben. Zwischen zwei Läufen wuchs der Papierkorb um 40.661 Objekte, während die Ordner schrumpften. Ohne zwei Messungen hätte das wie ein Erfolg ausgesehen.
  3. Der geplante Nutzen war nicht der eingetretene. Gesucht wurden Bytes, gefunden wurden Wissensquellen — eine ganze Ablage mit Verkaufsunterlagen und eine Umsatzaufstellung, die vorher niemand verzeichnet hatte.
  4. Ein Tabellenleser ohne festen Zellbezug verrutscht still um eine Spalte. Im selben Projekt wurde dadurch ein dreistelliger statt eines sechsstelligen Betrags gelesen — ohne jede Fehlermeldung. Zahlen, die aus Tabellen kommen, brauchen eine Plausibilitätsprüfung.
  5. Der Abfragebereich einer Schnittstelle belegt nicht die Herkunft der Treffer. Ein erster Durchgang meldete 348.080 Objekte im persönlichen Bereich, obwohl dort praktisch nichts liegt. Zugeordnet wird seitdem über die Kennung des Objekts, nicht über die Abfrage.
  6. Ein neu gebautes Programmumfeld beseitigt das kaputte daneben nicht. Eine Reparatur hielt fünf Tage, dann waren Umgebung und Datenbank spurlos verschwunden. Vor jedem Lauf wird jetzt geprüft, dass beides noch existiert.

Der Papierkorb wuchs in fünf Tagen um 40.661 Objekte. Es ist also aufgeräumt worden — aber der Platz ist nicht frei, er ist nur umgezogen.

Aus dem Vergleich zweier Läufe
Wohin der Platz geht — und wohin die Dateien Tabelle
Bereich Objekte Anteil Objekte Anteil Platz
Arbeitsbereich der KI-Projekte 385.184 73,2 % 19,4 %
Kundenordner 41.560 9,1 % 39,0 %
übrige elf Ablagen rund 155.000 17,7 % 41,6 %
davon im Papierkorb 47.782 — 52,5 GB
davon doppelt — — 104,0 GB

Quelle: Vollindex vom 19.08.2026, 635.329 Objekte / 421,7 GB

Der Ablauf als Diagramm Schaubild
Ablaufdiagramm: 635.329 Dateien vermessen — gefunden wurde Wissen
Von der Quelle bis zum Ergebnis. Dunkel = das Sprachmodell, weiß = ein normales Programm, grün = ein Mensch.

Haben Sie so einen Fall im Betrieb?

Schreiben Sie mir in zwei Sätzen, welche Aufgabe bei Ihnen am meisten Zeit frisst. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung — samt Aufwand und samt der Antwort „lohnt sich nicht“, wenn es so ist.

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