Kundengewinnung Auswerten & Messen Einmalprojekt, abgeschlossen Unbequemer Befund
Ein Tag Prüfung sparte den Bau eines Werkzeugs
Die naheliegende Datenquelle wurde geprüft und verworfen. Der Umweg über die vorhandenen Daten brachte stattdessen die E-Mail-Quote von 30 % auf 76 %.
Der Fall auf einen Blick
Das Problem
Eine bekannte Jobbörse sah nach der nächsten großen Quelle für Kontakte aus — das Werkzeug zum automatischen Einsammeln wäre ein Wochenprojekt gewesen.
Was der Fall macht
Prüft eine neue Datenquelle an drei Fragen, bevor jemand ein Werkzeug dafür baut.
Was er bewirkt
Quelle verworfen; der stattdessen angereicherte Bestand stieg von 464 auf 1.181 E-Mail-Adressen — von 30 % auf 76 %.
So funktioniert es
In diesem Ablauf arbeitet kein Sprachmodell mit. Die KI hat beim Bauen geholfen — im Betrieb läuft ein normales Programm.
- 1 Daten Neue Quelle im Blick Eine bekannte Jobbörse soll als neue Quelle für Kontakte erschlossen werden.
- 2 Programm Regeln und Menge prüfen Die Zugangsregeln sperren die Werkzeuge; 15.900 Stellen stehen 138.381 im vorhandenen Bestand gegenüber.
- 3 Mensch Drei Anzeigen ansehen Drei Anzeigen von Hand geprüft: keine E-Mail, kein Ansprechpartner, keine Telefonnummer.
- 4 Mensch Quelle verwerfen Die Quelle wird verworfen, die Begründung mit allen Messwerten festgehalten.
- 5 Programm Bestand anreichern Ein Programm ruft für 1.554 Firmen die Website auf und liest das Impressum aus — ohne Sprachmodell.
- Datenquelle
- normales Programm
- Mensch
Die Zahlen dahinter
Was das für Ihren Betrieb heißt
Bevor Sie ein Werkzeug für eine neue Datenquelle bauen lassen, kostet die Frage „was steht da überhaupt drin?“ einen Tag — und beantwortet manchmal, dass Sie das Werkzeug nicht brauchen.
Die drei Prüffragen kosten zusammen einen Tag und gelten für jede Datenquelle, die Sie erschließen wollen. Darf ich? Zugangsregeln und Nutzungsbedingungen zuerst, nicht zuletzt. Steht drin, was ich brauche? Drei Datensätze von Hand ansehen, bevor jemand ein Werkzeug baut. Wer hat es getippt? Zusammengeführte Inhalte aus fremden Systemen enthalten fast nie das, was der Ursprungsbetrieb selbst geschrieben hätte.
Der eigentliche Fallstrick ist der Zeitpunkt: Nach drei Tagen Bauzeit will niemand mehr hören, dass die Quelle nichts hergibt.
Die Ausgangslage
Nach mehreren erfolgreich erschlossenen Stellenportalen war die nächste große Börse das Naheliegende: bekannter Name, viele Anzeigen, offensichtlich Firmen mit Personalbedarf. Ein Werkzeug zum automatischen Einsammeln wäre mit dem vorhandenen Bauplan in wenigen Tagen fertig gewesen.
Die Versuchung an dieser Stelle ist, einfach anzufangen. Der Bauplan liegt vor, das Muster ist bekannt — und ob am Ende Kontaktdaten herauskommen, sieht man dann schon.
Die Lösung im Einzelnen
Statt zu bauen wurde erst geprüft, an drei Punkten. Darf man? Die Zugangsregeln der Seite sperren die eingesetzten Werkzeuge ausdrücklich. Steht was drin? In drei geprüften Anzeigen: keine E-Mail, kein Ansprechpartner, keine Telefonnummer. Lohnt die Menge? 15.900 Stellen gegenüber 138.381 im bereits vorhandenen Bestand — ein Neuntel.
Der Grund für die leeren Anzeigen ist wirtschaftlich: Die Börse führt fremde Anzeigen aus anderen Systemen zusammen. Was der Arbeitgeber nie selbst getippt hat, kann dort auch nicht stehen.
Daraus folgte die Alternative: den vorhandenen Bestand anreichern. Für 1.554 Firmen wurde die Firmenwebsite aufgerufen und das Impressum ausgelesen. Die Quoten der Anreicherung sind gemessen; der eingesparte Bauaufwand ist geschätzt.
- Frage 1Darf man die Quelle auslesen?Nein. Die Zugangsregeln sperren die eingesetzten Werkzeuge ausdrücklich und zusätzlich den Endpunkt, über den die Trefferliste nachlädt.Aufwand der Prüfung: 5 Minuten
- Frage 2Stehen Kontaktdaten in den Anzeigen?Nein. Drei geprüfte Inserate: keine E-Mail, kein Ansprechpartner, keine Telefonnummer. Die Anzeigen sind aus fremden Systemen eingespeist.Aufwand der Prüfung: 30 Minuten
- Frage 3Ist die Menge den Aufwand wert?Nein. 15.900 Stellen gegenüber 138.381 im bereits vorhandenen Bestand.Aufwand der Prüfung: 15 Minuten
- FolgeStattdessen: den Bestand anreichern1.554 Firmen über das Impressum ihrer Website angereichert. E-Mail von 29,9 % auf 76,0 %, mindestens ein Kontaktweg bei 87,0 %.Aufwand: 1 Tag — ohne eine einzige neue Firma
Drei Nein-Antworten in unter einer Stunde. Die vierte Zeile ist das, was mit der freigewordenen Zeit passiert ist.
Was wir dabei gelernt haben
- Wer die Anzeige getippt hat, entscheidet, was drinsteht. Aggregatoren führen fremde Inhalte weiter; Kontaktdaten stehen dort systematisch nicht. Das ist kein technisches, sondern ein Geschäftsmodell-Problem — und deshalb nicht lösbar.
- Die Zugangsregeln stehen öffentlich und werden trotzdem zuletzt gelesen. Hier sperrten sie genau die Werkzeuge und genau den Endpunkt, den das Vorhaben gebraucht hätte. Fünf Minuten Lesen gegen mehrere Tage Bauzeit.
- Den vorhandenen Bestand anzureichern schlägt fast immer die nächste Quelle. 464 auf 1.181 E-Mail-Adressen, ohne eine einzige neue Firma. Neue Quellen sind attraktiver, weil sie nach Wachstum aussehen — der Ertrag lag hier im Bestand.
Die Anzeigen sind nicht vom Arbeitgeber getippt, sondern aus fremden Systemen eingespeist. Deshalb steht dort kein Kontakt — und deshalb hätte auch der beste Scraper keinen gefunden.
Aus dem Prüfbericht, Juli 2026
Der Altbestand vor und nach der Anreicherung Tabelle
| Kontaktweg | vorher | nachher |
|---|---|---|
| 464 (29,9 %) | 1.181 (76,0 %) | |
| Telefon | 499 (32,1 %) | 1.254 (80,7 %) |
| mindestens ein Kontaktweg | — | 1.352 (87,0 %) |
Quelle: 1.554 Firmen aus dem vorhandenen Bestand, Anreicherung über das Impressum der Firmenwebsite, 31.07.2026
Der Ablauf als Diagramm Schaubild
Haben Sie so einen Fall im Betrieb?
Schreiben Sie mir in zwei Sätzen, welche Aufgabe bei Ihnen am meisten Zeit frisst. Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung — samt Aufwand und samt der Antwort „lohnt sich nicht“, wenn es so ist.